Ich war (fast) Robbie Williams
Vollständige Nachproduktion des Musikvideos Angels von Robbie Williams
Manche Dinge im Leben sucht man sich aus. Den Kurs, das Thema, das Projekt. Und manchmal sitzen die Dozierenden vorne, lächeln freundlich und sagen: "Ihr reproduziert das Musikvideo zu Angels von Robbie Williams." Ende der Diskussion.
So begann unser Semesterprojekt.
Wir waren fünf Studierende, bewaffnet mit einer Kamera, viel Enthusiasmus und dem blinden Optimismus von Menschen, die noch nicht wissen, was auf sie zukommt. Der Plan: das Original so nah wie möglich nachbauen, Storyboard, Location Scouting, Prototyp, Videoschnitt, und natürlich eine eigene Audioreproduktion.
Ich spielte Robbie Williams
Ja, genau. Ich. Und nein, ich werde nicht kommentieren, wie überzeugend das war. Neben meiner Rolle vor der Kamera war ich außerdem für das Colour Grading zuständig, also dafür, dass das Ganze am Ende halbwegs so aussieht wie ein professionelles Musikvideo und nicht wie ein Urlaubsvideo von 2003. Da wir nur zu fünft waren natürlich auch ab alles mögliche andere rund ums Set.

Dafür haben wir mit DaVinci Resolve gearbeitet. Gute Wahl, im Prinzip. Außer wenn man die kostenlose Version auf Linux betreibt, dann unterstützt das Programm als einzigen wirklich brauchbaren Codec Apple ProRes. Das klingt harmlos, bis man anfängt, sämtliches Footage konvertieren zu müssen. Ws ich übrigens auch unter Linux gemacht habe, mit einem kleinen handlichen Shell Script und ffmpeg.
Am Ende hatten wir fast 2 TB an Rohdaten.
FĂĽr ein Uni-Projekt. Ăśber ein Musikvideo. Von 1997.
Die Lösung: Ein Google Drive 2-TB-Abo, damit alle Teammitglieder, egal ob Windows, Mac oder Linux, auf dieselben Dateien zugreifen konnten. Modern. Pragmatisch. Und irgendwie absurd.
Die Locations: vom Campus zum Nudistenstrand
Gedreht haben wir an zwei sehr unterschiedlichen Orten.
Erstens: der THM Campus GieĂźen, naheliegend, praktisch, unser Heimvorteil. Man kennt die Ecken, man weiĂź wo man parken kann, und die Security kennt einen irgendwann beim Namen.

Zweitens: ein FKK-Strand. Der zu diesem Zeitpunkt offiziell für die Saison geschlossen war. Wir hatten aber die Genehmigung des Betreibers, also alles völlig legal und entspannt. Oder zumindest so entspannt, wie man an einem geschlossenen Nudistenstrand mit Filmkamera sein kann.
Low Budget, High Ambition, die Requisiten-Kompromisse
Das Originalvideo glänzt mit einer gewissen filmischen Grandezza. Wir haben das auf unsere eigene Art interpretiert:
- Statt Hubschrauber -> Drohne (Effekt ähnlich, Budget sehr viel angenehmer)
- Statt Motorrad -> Fahrrad (Weniger Lärm, mehr Charakter) und was haben wir diese Szene oft gedreht ... uff.
Ob das die kreative Essenz des Originals eingefangen hat? Das liegt im Auge des Betrachters.

Und die Tonspur?
Die haben wir tatsächlich fertig produziert. Wirklich. Sie existierte. Sie war fertig.
Und dann hat sie sich irgendwo in den Tiefen meines Archivs verabschiedet und ist seither verschollen.
Deshalb hört ihr im eingebetteten Video unten die Originaltonspur von Robbie Williams.
Da YouTube leider bei diesen beiden Videos nicht richtig einbetten will, mĂĽsst ihr euch die Ergebnisse ĂĽber diese Links ansehen:
Das war unser Semester. Viel Footage, viel Speicherplatz, ein geschlossener Strand, ein Fahrrad als Motorradersatz, und am Ende ein fertiges Musikvideo, auf das wir tatsächlich stolz sind. Manchmal kommen die besten Projekte aus Aufgaben, die man sich nicht selbst ausgesucht hätte.
An dieser Stelle auch noch mal vielen Dank an meine Unikollegen, ihr wart ein tolles Team, ich erinnere mich gerne an das Projekt zurück. Auch wenn ich das Lied selber nicht mehr hören kann.