Open Source Anwendungen und das Tastenkürzel Problem
Kreative Open Source Anwendung wie Blender, Krita, Kdenlive, GIMP, Audacity, Ardour usw. brauchen dringen Einheitliche Tastenkürzel
Als jemand der seit langer Zeit auch im Kreativen Bereich tätig ist, gehe ich einen eher untypischen Weg in der Auswahl meiner Software. Während viele Kreative auf proprietäre Anwendung wie von Adobe, Sony, BlackMagic usw. setzten, besteht mein gesamter Softwarestack ausschließlich aus Freier Open Source Software kurz: FOSS.
Nicht selten kommt es also vor das ich parallel in verschiedenen Anwendungen Arbeite. Ein 3D Model in Blender, Concept Art in Krita, Texturen in GIMP, Videoschnitt in Kdenlive, Spielentwicklung in Godot, Soundeffekte in Ardour usw.
Genau hier liegt auch das Problem. Jede dieser Anwendungen hat seine eigenen Vorstellungen davon welche Tasten und Tastenkombinationen was tun.
Fairerweise muss man sagen, kommen diese Anwendungen oft nicht aus einer Hand und besitzen grundlegend andere Entwicklerteams. Oft unbezahlt, in ihrer Freizeit und ohne Frage auch mit eigenen Ansichten, was usability und user experience angeht. Dann noch die unterschiedlichen Bereich für die diese Anwendungen konzipiert sind. Manche Keybindings machen in manchen Anwendungen evtl. keinen Sinn.
Dennoch bleib ein Grundlegendes Problem bestehen, unterschiedliche Bedienkonzepte und das eigene Muskelgedächtnis, wenn amn sehr lange in einer der genanten Anwendung gearbeitet hat und dann auf eine andere wechselt.
Das Mausrad
Alleine schon nur das Mausrad zu verwenden sorgt in diversen Anwendungen für recht unterschiedliches Verhalten.
GIMP, Inkscape, Ardour scrollen hoch und runter. Krita, Blender, Godot, zoomen hinein oder hinaus. Kdenlive scrollt links oder rechts in der Timeline, schwebt der Mauszeiger aber über den Spurnamen, dann doch hoch oder runter.
Strg + Mausrad: Ist besonders witzig. In GIMP, Godot, Inkscape, Kdenlive, Ardour, wir hier hinein oder heraus gezoomed. In Blender passiert in einem 3D Viewport nichts aber in einem 2D Viewport, z.B. dem NLA oder Dope Sheet Editor, wird links oder rechts gescrollt.
Shift + Mausrad: Ardour, GIMP, Godot, Inkscape, scrollen hier links oder rechts. Nur bei einem 3D Viewport ignoriert Godot Shift komplett und verwertet nur das Mausrad. Krita, ignoriert Shift komplett und führt nur das Mausrad aus. Kdenlive, hoch oder runter, dieses mal aber unabhängig davon ob der Mauszeiger über den Spurnamen schwebt oder nicht. In Blender erfüllt diese Kombination keinen Zweck.
ALT + Mausrad: Krita, GIMP, Inkscape keine Funktion. Ardour streckt eine Audiospur in der senkrechten, ohne Zoom, einfach nur das Bedienelement wird größer. Kdenlive, springt zum Anfang oder Ende des nächsten Clips in der Timeline. Godot und Blender verschieben beide den Timeline Curser nach links oder rechts. Wobei Godot Alt in einem 3D View, sowie Shift, ignoriert und dann ur das Mausrad beachtet.In Blender ist heir die Position des Mauszeigers unerheblich, der Timelinecursor wird in jedem Fall nach links oder rechts verschoben.
Krita vs GIMP
Gerade Anwendungen die eigentlich für das selbe gemacht sind, rennen öfter in dieses Problem als es der Fall sein sollte. Neben den bereits genannten unterschieden gibt es aber bei GIMP und Krita einen ganz besonders fiesen Fallstrick. Dieser ist mir erst jüngst passiert und sogar der finale Auslöser für diesen Artikel gewesen:
Strg + Shift + E in Gimp öffnet den Export Dialog. In Krita jedoch vereint dieser Tastenkombination ALLE Ebenen der aktuellen Zeichnung zu einer, ohne Zwischenfrage. Ist man also mit seiner Zeichnung fertig und will das Bild "schnell" exportieren, passiert es mir hier leider öfter als mir lieb ist dass ich aus Reflex diese Tastenkombination drücke. Bis ich dann merke dass ich alle Ebenen in Krita zu einer zusammengefasst habe, vergeht durchaus etwas Zeit, oder ich schließe das Program und am nächsten Tag stelle ich die Misere dann erst fest. Ohne Backup natürlich, weil dass ist im Zweifelsfall auch schon die Zeichnung mit nur noch einer Ebene ist.
Ardour vs Kdenlive
Oft kommt es vor dass ich eine Voiceoverspur in Ardour aufnehme, dort schneide und ggf. noch einen Kompressor oder Normalizer drauf los lasse. Gerade bei meinen Tutorial Videos auf Robo 'n Tux - Guides, kommt es daher vor dass ich gerne Stunden lang nur in Ardour die Tonspur vorbereite, um sie dann später in Kdenlive zu importieren und dann das Video drumherum zu erstellen.
Aber, wie kann es anders sein, bedienen sich beide Programm unterschiedlicher Tastenkürzel. Drückt man X in Kdenlive so aktiviert man das Schneidewerkzeug, um Video oder Audio clips aufzutrennen. In Ardour hingegen passiert zunächst nichts, außer man hat einen Clip selektiert, dann wird der Anfang von diesem Clip an die aktuelle Position des Mauszeigers verschoben.
Um einen Clip in Ardour in zwei aufzutrennen, muss man S drücken. Dort wird dann aber der Schnitt unmittelbar unter dem Mauszeiger ausgeführt und nicht nur das Schneidewerkzeug aktiviert. S in Kdenlive erfüllt keine Funktion.
Schlusswort
Ich möchte jetzt nicht jede einzelne Inkonsistenz hier auflisten, aber das Muster zieht sich durch weite Teile aller Apps. Mal halten sich alle an einen Standard, mal fällt einer aus der Norm und ein anderes mal mach jeder was wer will.
Bei proprietären Alternativen, gerade bei verschiedenen Anbietern, kann man natürlich auch nicht erwartet dass gleiche Tastenkombinationen die selben Effekte haben. So hat Blender andere Standartkürzel, wie Maya, Cinema 4D oder Rhino.
Kommen die Anwendungen aus der gleichen Hand, wie in etwa bei Adobe, dann verhält sich Photoshop, wie Illustartor, wie After Effects, wie Primiere, wie Lightroom, wie InDesign usw. oder zumindest in großen Teilen sehr ähnlich. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, die Unterschiede sind aber vernachlässigbar klein.
Looking at you Krita and GIMP
Natürlich kann man die Eingabeprofile in den meisten Fällen ändern. So bietet Krita z.B. einige für proprietäre Tools wie Photoshop, Clip Studio Paint und weitere an.

Auch Blender fragt beim ersten Start nach, welches Eingabeprofil man haben möchte. Entweder alte Blender 2.7 Tastenbelegungen oder "Industry Compatible", früher stand hier mal explizit Autodesk Maya.

GIMP besitzt leider keine einfache Profilauswahl, oder generell eine wirklich brauchbare Eingabezuordnung. Es gibt zwar ein Einstellungsmenü, aber das ist ... sagen wir recht spartanisch

Kdenlive hingegen besitzt ein extrem Umfangreiches Menü, aber leider keine Profilauswahl.

Ardour als DAW welches auch auf exotische EIngabegeräte reagieren kann, die man so jetzt nicht in einer der anderen Anwendungen wieder findet, wie Mischpulte z.B. besitzt leider auch keine Profilauswahl in dem Sinne auch keine Belegungsmöglichkeit für Tastatur und Maus. Dafür kann man die Nintendo Wii Remote benutzten ...

Mein Appel wäre hier tatsächlich, dass sich die diversen Kreativen Free Open Source Alternativen auf ein Bedienschema einigen könnten. In etwa wie der Filesystem Hierarchy Standard (FHS) unter allen Unixoiden Betriebssystemen inklusive Linux einen Standard für das Dateisystem bereitstellt. Etwas ähnliches in Form eines Bedienkonzeptes wäre wünschenswert. Gerade wenn man oft zwischen diversen Anwendungen hin und her wechselt würde das nicht nur die Lernkurve minimieren, es würde auch "Unfälle" vermeiden.